Nur über seine Leiche – Buchtipp

Nur über seine Leiche.
Wie ich meinen Mann verlor – und verdammt viel übers Leben lernte

Brenda Strohmaier, 2019, Penguin Verlag

Inhalt

Zehn Jahre lang versuchte Brenda Strohmaier ihren Freund Volker vom Heiraten zu überzeugen. Kaum hatte er endlich „Ja“ gesagt, war sie plötzlich Witwe. Mit 44.

In ihrem Roman erzählt Brenda Strohmaier in 31 Lektionen ihre Geschichte als junge Witwe, die ihren Mann Volker nach 10 gemeinsamen Jahren und nach langer Krankheit verliert. Ihre Schilderungen von den letzten Momenten im Krankenhaus sind traurig und schön zugleich. Die Liebe zwischen Brenda und Volker war groß und so lebendig, gerade weil der Tod schon lauerte, sagt sie.

Mit Mut und auch mit einem gewissen Trotz, auf jeden Fall mit einer hohen Aktivität stellt sie sich dem Leben ohne Volker.

Brenda Strohmaier beleuchtet die vielen unterschiedlichen Aspekte ihres Lebens als Witwe und der Trauer, sie stellt sich Fragen und sucht Antworten. Natürlich geht es viel um Gefühle, um Vergangenheit und Zukunft, aber auch um rechtliche Fragen, um philosophische Gesichtspunkte, um Tod, Trauer und Sterben im Allgemeinen und darum, „was man beim Umgang mit hinterbliebenen Gattinnen alles falsch machen kann“ (Lektion 29). Die Recherche ist fundiert und umfangreich, dies zeigt die beeindruckende Literaturliste ebenso wie ein Interview mit der Trauerbegleiterin Chris Paul oder ein Gespräch mit einem Anwalt über Erbrecht.
Sehr ergreifend ist mittig ein Brief an den toten Volker – bewegend, berührend und traurigschön.
Die Lektionen sind so gestaltet, dass sie auch in einer anderen Reihenfolge und unabhängig voneinander gelesen werden können.
Vorne und hinten im Einband des Buches sind Fotos von dem sehr persönlich gestalteten Grab (auch dieses Thema hat eine ganze Lektion bekommen) und der „Schmuck-Reinkarnation“ der Eheringe.

Botschaft

„In diesem Buch – das nicht zuletzt vom richtigen Umgang mit Witwen handelt – steckt viel Trotz, viel „trotz alledem“. Dass Volker starb, dieser Mensch, der so gerne auf der Welt war, nimmt mich in die Pflicht mich erst recht ins Leben zu stürzen wie ein Stagediver in die Menge. Und so geht das Witwenbuch nun nicht weiter wie ein Krimi. Sondern wie eine große Liebesgeschichte. Eine, die nach einem ungewöhnlichen Happy End strebt. Und wenn er auch gestorben ist, so lebt doch sie noch heute.“ (S. 18)

Rezension

Brenda Strohmaier schreibt sich ihre Gedanken, ihre Erlebnisse und ihre Trauer in diesem Buch von der Seele und es scheint in erster Linie ihre persönliche, aktive Trauerarbeit zu sein – aber auch der Wunsch anderen damit zu helfen. Dabei findet sie, Berliner Lifestyle-Reporterin, einen humorvollen Stil über ein trauriges Thema zu schreiben. Sie erzählt über ihre sehr persönlichen und zum Teil unkonventionell anmutenden Wege in der Trauer, nimmt den Leser mit in ihre Welt als Witwe, in ihre Gefühlswelt der Trauer und erklärt sehr anschaulich und ehrlich ihre Gedanken und Handlungen. Sie schreibt sehr persönlich, mit dem Leser verbunden. Wer ähnliches erlebt hat, wird sich identifizieren und wiederfinden können, zumindest in einem Teil ihrer Geschichte.

Wenn man das über ein Buch über Trauer und eine Witwe sagen darf, so möchte ich sagen, dass es wirklich schön war und mir Spaß gemacht hat dieses Buch zu lesen. Es war keinen Moment langweilig. Ich habe sehr viel mitgefühlt, in Gedanken mit Brenda Strohmaier gelebt, getrauert und gelacht.
Es ist ein Roman, aber es ist auch mehr als das: Es ist ein Buch, das die vielen Facetten der Trauer sehr gut beschreibt und sehr lehrreich ist. Für Menschen, die eine Witwe kennen und diese vielleicht besser verstehen werden. Es ist ein tolles Buch für Witwen, die sich danach absolut normal und verstanden fühlen dürfen!

Fazit

„Vielleicht braucht die Welt eine andere Form von Erfahrungsbericht. Einen, in dem es ums Weiterleben geht. Und der nicht nach Grabstein-Inschrift klingt.“ (S. 16)

 

Exakt! Das ist Brenda Strohmaier gelungen und genau deshalb ist ihr Buch sehr empfehlenswert. 

Bildquelle: thalia.de

Ich bin Svenja.

Das Schicksal brachte mich nach dem Tod meines Mannes auf den Weg zur Trauerbegleiterin

 

Um Hilfe zu bekommen und nicht in der Trauer stecken zu bleiben, bist du bei mir genau richtig:

Du bist in der Trauer nicht alleine. Ich bin für dich da.

Dich von mir für einen begrenzten Zeitraum begleiten zu lassen, kann für dich ein sehr wertvoller Weg sein.