Super-GAU oder große Chance?

Mein Super-GAU

Es ist ein großer Einbruch im Leben, wenn der Partner diese Welt verlässt. Eigentlich würde das schon reichen. Der Super-GAU: Partner weg, gemeinsame Arbeit weg, Träume und Zukunft weg. Alles, was übrig bleibt, ist die gemeinsame Wohnung, die zur Festung wird und in all dem Chaos noch Vertrautheit und Halt vermittelt.
Wie ein Super-GAU fühlte es sich anfangs an, doch im Laufe der Zeit wage ich die Frage zu stellen, ob es nicht auch eine große Chance war. Die Medaille hat immer zwei Seiten.
Mein Mann und ich haben selbstständig einen kleinen gepachteten Betrieb geführt. Nach seinem Tod war es für mich nicht möglich weiter zu machen. Struktur und Rhythmus fielen von heute auf morgen komplett weg, ich hatte keine ausfüllende und sinnvolle Aufgabe mehr und auch keine Ablenkung durch einen normalen Alltag. Mein Mann, unsere Arbeit (die wir liebten) und unser gemeinsames Nest waren mein Zuhause, vor allem aber war ER mein Herzens-Zuhause. Innerlich fühlte ich mich sozusagen obdachlos und stand vor der großen Herausforderung wieder ein Zuhause zu finden. Orte, an denen ich mich Zuhause fühle und vor allem ein Zuhause in mir.

Meine Chance

Die gute Seite der Medaille: Ich musste mich nicht krank schreiben lassen (obwohl Trauer keine Krankheit ist! Aber das ist ein anderes Thema). Ich musste keine Auszeit beantragen. Stattdessen war da einfach sehr viel Ruhe, Zeit für mich und für eine Neuorientierung. Ich konnte viel in mich hinein spüren und nachdenken. Ich hatte Zeit auch spontan zu verreisen. Ungewollt hatte ich in der ersten Trauer eine lange Auszeit für mich.
Was wollte ich nun machen? Sehr lange wollte ein großer Teil von mir am liebsten mein altes Leben zurück haben und dass mein Mann wieder zur Tür rein kommt. Und wehe, jemand von außen stellte mir in dieser Zeit die Frage, was ich nun machen werde! Nach etwa acht Monaten war ich bereit den Gedanken an Neues zuzulassen, mich Neuem zu öffnen. Ich wollte nicht einfach nur einen neuen Job und Geld verdienen. Ich wusste, dass ich eine neue und sinnvolle Aufgabe brauchen würde. Etwas, was mich erfüllt und mir wieder Lebensmut schenkt. Eine Tätigkeit, für die ich gerne morgens aufstehe. Aber erstmal in Teilzeit, denn ich fühlte auch, dass meine Kraft noch begrenzt war. Außerdem fühlte ich, dass ich noch in der Wohnung bleiben möchte und die Arbeit in der Nähe sein sollte. Große Chance zum Neubeginn also? Das kann ich bis heute nicht genau beantworten. Große Chance … bestellt habe ich diese Chance jedenfalls nicht. Ich hatte mich schließlich vor nicht allzu langer Zeit voll und ganz, mit Herz und Kopf für das gemeinsame Leben und Arbeiten mit meinem Mann entschieden.
Ich wurde schließlich von oben geführt und hatte großes Glück, dass mir eine schöne neue Aufgabe zufiel (es war tatsächlich mehr Zufall als Plan), die mich auch jetzt noch erfüllt und die ich sehr gerne mache. Zusätzlich dazu hat sich dieses Jahr beruflich noch eine andere Tür geöffnet. So konnte ich mit wenigen Stunden letztes Jahr beginnen und dieses Jahr genau zur richtigen Zeit aufstocken.

Wäre es besser, wenn ...

Manchmal fragte ich mich nach Gesprächen mit Gleichgesinnten, wäre es besser wenn
… mir meine Arbeit geblieben wäre und mir noch Halt gegeben hätte
… wir Kinder gehabt hätten und ich für sie hätte da sein können (oder müssen?)
… mein Mann körperlich krank gewesen oder tot umgefallen wäre
… ich nicht so jung wäre

… ja, wenn … es einfach irgendwie anders wäre …

NEIN. Ich bin mittlerweile sicher: Es wäre nicht besser, nur anders!

Denn: Es ist wie und was es ist.

Wir können es annehmen und die Aufgaben, die uns das Leben stellt meistern – wir können es als (große) Chance sehen.
Oder wir können es ablehnen und die Aufgaben im Leben ignorieren – dann ist es der (Super-)GAU.

Was es ist

Es ist Unsinn, sagt die Vernunft

Es ist was es ist sagt die Liebe

Es ist Unglück, sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst
Es ist aussichtslos, sagt die Einsicht

Es ist was es ist, sagt die Liebe

Es ist lächerlich, sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung

Es ist was es ist, sagt die Liebe

Erich Fried

Bildquelle: pixabay

Ich bin Svenja.

Das Schicksal brachte mich nach dem Tod meines Mannes auf den Weg zur Trauerbegleiterin

 

Um Hilfe zu bekommen und nicht in der Trauer stecken zu bleiben, bist du bei mir genau richtig:

Du bist in der Trauer nicht alleine. Ich bin für dich da.

Dich von mir für einen begrenzten Zeitraum begleiten zu lassen, kann für dich ein sehr wertvoller Weg sein.